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Hinter den Kulissen: Das Klimmzugduell bei Kai Plaume

22.01.2012 12:30 von RV Neptun

Ein Erlebnisbericht von Ingo Voigt und Ralf Kockel

Am 21. Januar 2012 kam es am Samstagabend zur Hauptsendezeit (6,18 Mio. Zuschauer) in der ARD zu einem großen Duell mit Rudererbeteiligung. Die 13-jährige Isabelle forderte die Ruderer des deutschen Leichtgewichts-Doppelvierers im Rahmen der Sendung „Klein gegen Groß“ mit Kai Pflaume im Klimmzugziehen heraus – und zwar nur mit zwei Fingern pro Hand! Wie es dazu kam und wie es ausging, wird im folgenden Erlebnisbericht von Ingo Voigt und Ralf Kockel beschrieben:

Ingo:

Als wir vier Menschen vom leichten Doppelvierer uns Ende November in Dortmund trafen, um die schöne Langstrecke zu fahren, erzählte uns Michel, dass der DRV-Pressesprecher Oliver Palme gefragt worden sei, ob wir nicht in einer Fernsehshow gegen ein kleines Mädchen Klimmzüge machen wollen. Nachdem wir Michel, der etwas Angst davor hatte sich von dem Mädchen fertig machen zu lassen, überredet hatten, konnte Ralf mit den Planungen und Vertragsverhandlungen beginnen. So ein Wochenende in Berlin lässt man sich ja nur ungern entgehen.

Ralf:

Die Vorbereitungen für die Show liefen direkt nach der Dortmunder Langstrecke an. Zunächst wurden die Personalien geklärt. Jonas Schützeberg stand nämlich nicht zur Verfügung, weil zeitgleich ein DRV-Trainingslager stattfand, an dem er nach seinem Wechsel zum Riemenrudern teilnehmen musste. Dafür sprang Christoph Schregel, Vize-Weltmeister im Leichtgewichts-Doppelvierer von 2006, ein.

Dann wurden vor allem die Spielregeln werden. Wie sollen die Klimmzüge gemacht werden. Vorne/hinten, Rist-/Kammgriff, wie weit wird gefasst? Und dann gab es bei dem vorgesehenen Duell auch noch ein Handicap – die Klimmzüge durften nämlich nur mit zwei Fingern pro Hand durchgeführt werden. Nachdem ich hier gesundheitlich Bedenken äußerte, wurde ich von der Redakteurin Kathrin Speck-Born an den Kölner Professor für Biomechanik Gert-Peter Brüggemann verwiesen. Mit ihm konnte ich klären, wie das Training in den nächsten sechs Wochen aufgebaut werden musste, denn neben der Schulter- und Armkraft musste noch die Fingermuskulatur aufgekräftigt werden.

Daneben gab es natürlich noch Vorbereitungsmaßnahmen, bei denen ich als Diplom-Theaterwissenschaftler in meinem Element war: Bild- und Videomaterial musste für den Vorstellungsfilm der Mannschaft zusammengesucht werden. Außerdem musste Kai Pflaume noch ein Dossier mit den wichtigsten Fakten über die Ruderer und das Rudern allgemein erhalten.

Schließlich wurden noch die Verträge fixiert und unglaublich viele Rechte an die Produktionsfirma abgetreten – bis es dann endlich zur Aufzeichnung der Sendung nach Berlin ging.

Ingo:

Nachdem wir von Flughafen und Bahnhof abgeholt waren und uns etwas im Studio umgesehen hatten, waren wir auch schon mit unserer Einzel-Probe dran. Dabei ging es vor allem darum, dass die Kamera-Leute wissen wo sei hin müssen und wie das Licht ist. Für uns wichtig war nur, festzustellen, dass die Recks, an denen wir unsere Klimmzüge machen sollten nicht gerade stabil waren und ein wenig wackelten. Dieses Problem konnte aber mit Stahlseilen behoben werden, ebenso wie der lose Ausleger am Boot, dass wir als Anschauungsobjekt ins Studio tragen durften. Michel hatte selbstverständlich einen Riggerschlüssel dabei.

Außerdem mussten wir feststellen, dass der Titel der Sendung „Klein gegen Groß“ für unser Duell nicht ganz zutreffend war. Denn unsere Gegnerin Isabell ist mit 170 cm nicht gerade viel kleiner als wir. Aber sie hatte immerhin nur halb so dicke Arme wie wir.

Nach der anstrengenden Einzelprobe stellten wir fest, dass in einer unserer Garderoben ein paar belegte Brötchen standen. Wir entschlossen uns aber zunächst, eine warme Mahlzeit einzunehmen. War ja schließlich auch da.

Die Generalprobe zog sich dann ein wenig hin, aber wir konnten alles am Fernseher im Hauskanal verfolgen. Auch hier wurde noch mal eifrig über Positionen, Licht und Kameras diskutiert.

Danach wurden wir dann in unser Hotel am Ku’damm gefahren. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Der Sonntag begann dann wie es sich gehört mit ein bisschen Sport im Fitnessraum. Wir hätten natürlich auch durch den Tiergarten laufen können. Aber manchmal braucht es eben eine Stunde auf dem Laufband, um sich zu bestätigen, dass das ziemlich öde ist.

Pünktlich um 12 wurden wir dann, nach ausgiebigem Frühstück, ins Studio gefahren, wo noch mal die Abläufe geprobt wurden. Als wir ankamen standen die Fans standen Schlange. Und es wurden immer mehr. Irgendwann trafen auch die richtigen Promis ein und die Aufzeichnung konnte irgendwann anfangen. Auch das konnten wir bei reichlich Fingerfood zunächst aus unseren Gemächern verfolgen, bis wir uns schön machen lassen mussten. Dann waren wir nach gefühlten zehn Stunden Warten auch schon dran und durften endlich unsere Klimmzüge machen.

Ralf:

Zunächst zog Isabell ihre Klimmzüge. Die ersten 17 ganz flüssig und dann kamen noch mit unglaublicher Willenskraft vier hinterher. Wahnsinn! Die meisten Mädchen schaffen gerade mal einen richtigen Klimmzug und diese 13-jährige legt 21 vor. Dann kamen die Jungs – Michel hörte nach 13 Klimmzügen auf, Stefan und Ingo schafften 17 und Christoph zog weiter. 18, 19, 20, 22 – ich jubelte schon hinter den Kulissen, doch die letzten zwei kamen fast gleichzeitig. Der Zählfehler wurde zur Regie gefunkt, aber kurz darauf brachte auch Thomas Gottschalk auf dem Sofa diese Unregelmäßigkeit zur Sprache. Nachdem durch die Zeitlupe das exakte Ergebnis von 21 Klimmzügen bewiesen wurde, kam es offiziell zum Gleichstand und damit zum Sieg für unsere Ruderer – Isabell hat ja behauptet, sie würde mehr schaffen…

Ingo:

Wegen der springenden Zählanzeige gab es noch einige Diskussion – da waren aber weder wir noch die zählenden Komparsen Schuld dran.

Nach gelungenem Auftritt und nachdem uns eine verrückt gewordene Horde Fotografen mit ihrem Blitzlicht halb blind geschossen hatte, konnten wir zur After-Show-Party. Es gab endlich mal was zu essen und zu trinken.

Am Montag sind wir dann bei Nieselregen und kühlen Temperaturen durch Berlin gezogen. Man muss ja ab und zu mal schauen, was so los ist in der Hauptstadt. Außerdem wohnt Saskia ja seit Herbst in Berlin, die mussten wir selbstverständlich auch noch treffen um sicher zu gehen, dass es ihr gut geht.

Da wir alles in bester Ordnung vorfanden, konnten wir uns nachmittags alle beruhigt auf den Weg nach Hause machen.

 

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Ein weiterer Erlebnisbericht ist auf rudern.de veröffentlicht worden.

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